Mitten im Stadthafen-Quartier stört seit mittlerweile vielen Jahren eine eher unansehnliche Brache die Optik. Das weitläufige Gelände, auf dem einst das Unternehmen Osmo seinen Standort hatte. 2001 verschwand Osmo in einer Insolvenz, das Areal wurde anschließend für verschiedene Zwecke genutzt – mal fanden Stabhochspringer-Wettbwerbe statt, mal waren die alten Hallen Kulisse für Münsters Kulturhauptstadt-Bewerbung im Jahr 2004. Partys wurden gefeiert, aber irgendwann war das ganze Areal derart baufällig, dass es gesperrt wurde und dann über die Jahre zunehmend verfiel
2021 wurden die alten Hallen abgerissen und hinterließen eine breite Brachfläche zwischen Hafenkante und Schillerstraße. Ein Filetstück mitten in der Stadt – natürlich war das auch ein begehrtes Areal. Dennoch dauerte es Jahre, ehe eine Nutzung geklärt war. Am Ende wurde die Fläche von der Stadt an drei unterschiedliche Investoren verkauft: das Architekten-Duo Deilmann und Kresing, die Familie Kuhr, deren Speichergebäude am östlichen Hafenrand eine deutliche Marke bildet sowie an den Versicherungskonzern LVM.
Geplant war – und ist – eine Bebauung mit über 700 Wohneinheiten, Einzelhandel und Dienstleistung. Auch ein Hotel soll entstehen.


LVM stieg 2024 aus
Nachdem die Planungen weit fortgeschritten waren, stieg der LVM Ende 2024 für die Öffentlichkeit überraschend aus. Seitdem suchte die Stadt mit den Stadtwerken Münster einen Investor, der mehr oder weniger ins fertig definierte Projekt einsteigen könnte. Und der wurde gefunden: Anfang August teilte die Landmarken AG mit, dass sie das mehrstufige Investorenauswahlverfahren gewonnen habe. Das Unternehmen, das zuletzt das Hansator auf der Ostseite des Hauptbahnhofs realisiert hatte, will nun das rund 10.500 Quadratmeter große Grundstück direkt am Wasser bebauen.
Anfang Oktober 2026 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet, wie die Stadt mitteilt. „Das Landmarken-Projekt verknüpft neuen Wohnraum – inklusive geförderter Wohnungen – mit Büro- und Dienstleistungsflächen sowie Gastronomie- und Freizeitangeboten. Entstehen sollen unter anderem drei sechsgeschossige Wohngebäude mit insgesamt 115 Wohnungen, ein Hotel mit Rooftop-Bar, zahlreiche Grünflächen und ein zentraler öffentlicher Platz am Wasser“, heißt es dort.
Der Entwurf des Berliner und Münsteraner Büros Kleihues + Kleihues greift die bestehende Architektur des Hafens auf und sieht mehrere Baukörper vor. Bei der Stadt heißt es: Das Konzept der Landmarken AG sieht zunächst drei sechsgeschossige Wohngebäude im Anschluss an das Gebäude des Coppenrath-Verlags vor. Mit 115 Wohnungen auf rund 10.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entsteht Raum für unterschiedliche Wohn- und Eigentumsformen. Rund ein Drittel der Wohnfläche soll öffentlich gefördert werden. In den Erdgeschossen zum Hafenweg und zur Hafenpromenade sind Gewerbeflächen vorgesehen, die zur weiteren Belebung des Stadtraums beitragen sollen. Unterirdisch ist eine große Tiefgarage mit mehr als 200 Stellplätzen geplant. Zwischen den Gebäuden entstehen Grün- und Spielflächen für die Anwohnerinnen und Anwohner. Vom Hafenweg aus soll der Blick aufs Wasser teilweise frei bleiben.

Östlich schließt sich ein viergeschossiges Gebäude an. Über einer gastronomischen Nutzung im Erdgeschoss entstehen auf drei Etagen Büroflächen. Davor bleibt am Standort des ehemaligen Coconut Beach bewusst eine Fläche frei. Sie soll als zentraler Begegnungsort mit hoher Aufenthaltsqualität unmittelbar am Hafenbecken gestaltet werden.
800 bis 900 Wohneinheiten
Auf der Ostseite des Grundstücks ist ein Hotel mit bis zu 200 Zimmern vorgesehen. Eine öffentlich zugängliche Rooftop-Bar auf der Dachterrasse in rund 50 Metern Höhe verspricht besondere Ausblicke über die Stadt und den Hafen. Im Übergang zum bestehenden Speicher ergänzt ein weiteres sechsgeschossiges Gebäude das Landmarken-Projekt. Dort können verschiedene gewerbliche Nutzungen untergebracht werden. Insgesamt sollen zwischen 800 und 900 Wohneinheiten entstehen, heißt es bei der Stadt.
Nach der Fertigstellung wird nicht nur die Promenade entlang des Hafenbeckens vervollständigt, auch zwischen den Gebäuden entstehen Durchgänge vom Hafenbecken zum Hafenweg. Das Projekt soll in einem Zug realisiert werden. Die Erschließung erfolgt später über die verlängerte Ewaldistraße sowie im westlichen Bereich über den Hafenweg.

Ehe der Bau beginnen kann, muss allerdings der aktualisierte Bebauungsplan in Kraft treten. Die Pläne wurden im Februar 2026 erneut offen gelegt, der Plan befinde sich nun in der „finalen Phase“, heißt es.
