Fahrradstraße Schillerstraße wird zum Testlabor

Die Fahrradstraßen in Münster gehören zur großen Verkehrswende: Vorrang für Radfahrer, PKW müssen sich langsam einreihen und sind lediglich geduldet. Ziel ist u.a. eine sichere Verbindung zwischen Stadt und Stadtteilen. An der Schillerstraße gibt es Nachholbedarf …

Von den Fahrradstraßen in Münster ist der Teil der Schillerstraße zwischen Hauptbahnhof und Ring sicher eine der unattraktivsten – eben weil sie auch zahllosen Autofahrer anzieht, zugleich weitgehend zugeparkt ist, mit etlichen schwer einsehbaren Kreuzungsbereichen versehen ist. Radfahren auf diesem Teil der Schillerstraße gehört zu den eher unerfreulichen Dingen in der täglichen Fahrrad-Welt.

Seit 1990 ist die Schillerstraße als Fahrradstraße ausgewiesen, sie war die erste ihrer Art in Münster. Gemäß eines Ratsbeschlusses aus dem Jahr 2019 sollen die Fahrradstraßen schrittweise umgestaltet werden, um in ihrer Funktion noch deutlicher sichtbar zu werden. Dazu gehört, dass auch die Schillerstraße künftig einen roten Straßenbelag erhalten soll, um sofort als Fahrradstraße erkannt zu werden.

Künftig soll ein 4 bis 5 Meter breiter Streifen der Straße rot eingefärbt werden. Heute stehen an vielen Stellen gerade einmal 3 bis 3,5 Meter Platz zur Verfügung. Der künftig breitere Streifen soll auf der nördlichen Seite (also zur Wolbecker Straße hin) angelegt werden. Grund: Auf der anderen Straßenseite bestehen Baumscheiben, also nicht asphaltierte Stellen, in denen Wurzeln von Straßenbäumen sowohl bewässert wie auch entlüftet werden. Zudem sind auf der anderen Straßenseite bereits Fahrradbügel errichtet worden.

Fahrradstraße Schillerstraße: Testlauf.

Eine der Herausforderungen bei der Umgestaltung wird sein, dass zwischen 80 und 90 PKW-Parkflächen entfallen müssen, um überall die erforderliche Fahrbahnbreite zu sichern. Auf der anderen Straßenseite entfallen nur einzelne Parkflächen zugunsten weiterer Fahrradbügel.

Um alle Interessen unter einen Hut zu bekommen (oder wenigstens zu verstehen), startet die Stadt jetzt einen öffentlichen Beteiligungsprozess. „Dabei geht es zum einen darum, die interessierte Öffentlich- keit über Ziel und Zweck der Qualitätsstandards an Fahrradstraßen zu informieren und auch die Ein- bindung in die Planungen der Velorouten und in das Fahrradnetz 2.0 zu erläutern. Zum anderen geht es um Fragestellungen wie die Kompensation von Kfz-Stellplätzen durch (E-)Car-Sharing-Angebote im öffentlichen Raum, Quartiersparken und ähnliches. Auch die mögliche Steigerung der Aufenthaltsqualität im Straßenraum (z. B. Implementierung von Grün, Aufstellung von Fahrradanlehnbügeln und Sitzbänken, Reduzierung des Durchgangverkehrs über modale Filter oder andere Maßnahmen, usw.) sowie Maßnahmen zur Klimaanpassung im urba- nen Raum sollen thematisiert und diskutiert werden. Ziel ist es, die Bürgerschaft frühzeitig einzubin- den um für Akzeptanz der Umgestaltung zu sorgen“, heißt es in der Berichtsvorlage der Stadt.

Als Beispiel für die Umgestaltung dient der Stadt u.a. die Bismarckallee am Aasee, wo viele der Maßnahmen bereits umgesetzt wurden:

Fahrradstraße Bismarckallee am Aasee.

Verschiedene Maßnahmen sind geplant, darunter auch eine Online-Umfrage:

beteiligung.nrw

Zudem gibt es bis zum 26. Mai 2023 einen „Info-Point“ vor Ort, dessen Erreichbarkeit oder Standort allerdings von der Stadt nicht präzisiert wird, zusätzlich ist ein Quartierspaziergang am 11. Mai geplant (18 bis 19.30 Uhr, Treffpunkt Soester Straße/Schillerstraße, formlose Anmeldung notwendig).

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