Kasernen-Serie (1): Konversion im York-Quartier in Gremmendorf

Die britischen Streitkräfte gehörten bis vor zehn Jahren zum Stadtbild Münsters – mitsamt der großen Kasernenanlagen, u.a. in Gievenbeck, Coerde, Loddenheide, Gremmendorf oder an der Grevener Straße.

Mit der Wende 1990/1991 begann die Diskussion um einen Abzug der Streitkräfte in Münster und brachte zugleich die Debatte um die Umwandlung der Kasernen-Flächen in Wohn- und Stadtraum in Gang. Das betraf nicht nur die ehemaligen britischen Standorte, sondern auch Kasernen der Bundeswehr, die aufgegeben wurden. Konversion lautet der Fachbegriff dafür.

Viele der früheren Kasernen sind heute nur wegen der Optik der alten Gebäude noch erkennbar, beispielsweise das Lincoln-Quartier entlang der Grevener Straße, das zu den den ersten Arealen zählte, die ab 1997 umgebaut wurden. Auch die Portsmouth-Kaserne in Coerde, die kurz danach folgte und zahlreiche der alten Gebäude erhielt. Gleiches gilt für die alte Von-Einem-Kaserne an der Steinfurter Straße, wo heute der Leonardo-Campus seine Heimat hat.

Kaum noch sichtbare Spuren der früheren Kasernen zeigt die Loddenheide, früher Buller-, Swinton- und Waterloo-Kaserne. Das gewaltige, rund 88 Hektar große Areal, wurde seit Ende der Neunzigerjahre in ein nicht minder gewaltiges Gewerbe- und Dienstleistungsgebiet verwandelt. Zu den wenigen Erinnerungen an die frühere militärische Nutzung gehört die heutige Friedenskapelle, die früher als Garnisionskapelle diente.

Auch die einstige Hindenburg-Kaserne im Geistviertel (Metzer Straße) lässt mit ihrer Gartensiedlung Weißenburg auch nur noch erahnen, was dort vor 20 Jahren noch zu sehen war.

Die Stadt Münster nennt verschiedene Kasernen-Flächen, die seit Mitte der Neunzigerjahre umgewandelt wurden. Für den Prozess gründete die Stadt Münster ein eigenes Tochterunternehmen, die Konvoy GmbH (ein Wortspiel aus Konversion und den Anfangsbuchstaben von Oxford und York).

  • Lincoln-Quartier (Grevener Straße), früher Lincoln-Kaserne
  • Meerwiese (Coerde), früher Portsmouth-Kaserne
  • Leonardo-Campus (Steinfurter Straße), früher Von-Einem-Kaserne
  • Gartensiedlung Weißenburg (Geistviertel), früher Hindenburg-Kaserne
  • Speicherstadt Münster (Coerde), früher Winterbourne-Kaserne
  • Solarsiedlung Gasselstiege (Grevener Straße/Gasselstiege), früher Nelson-Kaserne

Diese Projekte sind bereits abgeschlossen. Zwei weitere große Konversions-Projekte sind im Frühjahr 2022 in Arbeit.

  • York-Kaserne in Gremmendorf
  • Oxford-Kaserne in Gievenbeck

In einer Serie stellt muenster-blick die verschiedenen Projekte vor – in lockerer Reihenfolge, aber beginnend mit den aktuellen Großprojekten. Heute: Die York-Kaserne in Gremmendorf.

Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf. Blick vom Albersloher Weg.

Das York-Quartier

Um 2009 kündigten die britischen Streitkräfte ihre Abzug aus Münster an. Das sorgte in Münsters Südosten für große Aufmerksamkeit. Schon kurz danach begann die Stadtverwaltung mit der Gestaltung eines Rahmenplans. Im Frühjahr 2021 einigten sich die Stadt Münster und die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) über eine Konversionsvereinbarung. Erste Workshops über die künftige Nutzung wurden ab 2013 durchgeführt, im Juli 2013 wurden die Briten offiziell verabschiedet.

Die Planung mündete Ende 2018 im Beschluss eines neuen Bebauungsplans, ab 2019 wurde auf der Fläche mit den Arbeiten begonnen.

Auf rund 50 Hektar Fläche werden hier in den kommenden Monaten und Jahren rund 1.800 Wohneinheiten entstehen – in einem Mix aus Gewerbeflächen, Büros und der dazugehörigen sozialen Infrastruktur.

Teilquartiere

Die gewaltige Fläche ist in verschiedene Teilquartiere unterteilt. Direkt am Albersloher Weg ist ein „Gremmendorf Zentrum“ geplant, für das rund 3,8 Hektar Fläche geplant sind. Dort werden rund 175 Wohneinheiten entstehen, aber auch ein Stadtteilzentrum mit Nahversorgung. Aktuell wird dort noch nicht gebaut.

Lageplan der einzelnen Teilquartiere im York-Quartier.
Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf: Das alte Offizierscasino bildet das Herz des Casino-Parks.

Weiter östlich, ebenfalls direkt am Albersloher Weg, entsteht der „Casinopark York“. Darin liegen eine Handvoll Gebäude: zwei Kitas, eine Grundschule mit Schulsporthalle, eine Jugendeinrichtung und das Bürgerhaus im ehemaligen Offizierscasino, von dem das Quartier seinen Namen hat.

Vor allem der Bereich „Gartenwohnen“ (siehe Foto unten) ist derzeit im Bau. Dort entstehen auf rund 8 Hektar Fläche über 700 Wohneinheiten in verschiedenen Bauabschnitten. Einige der Gebäude entlang des neuen Wiltshirewegs sind schon vergleichsweise weit gediehen.

Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf. Hier das Quartier „Gartenwohnen“
Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf. Hier das Quartier „Gartenwohnen“
Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf. Hier das Quartier „Gartenwohnen“
Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf.
Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf: Im Teilquartier „Gartenwohnen“ finden aktuell die Bauarbeiten statt – hier in Blickrichtung Albersloher Weg.

Die alten Panzerhallen

Das Teilquartier „Panzerhallen York“ ragt durch seine Optik heraus. Es handelt sich hier um alte Fahrzeughallen mit über 350 Meter Breite. Ihr Charakter soll weitgehend erhalten bleiben – entstehen werden darin Wohnungen, aber auch Gewerbeflächen. Auf einer Fläche von 2,5 Hektar können dort 125 Wohneinheiten entstehen, die Vergabe der Baufelder steht aktuell noch aus.

Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf, hier die alten Panzerhallen.

Der York-Park

Im Zentrum des York-Quartiers liegt der künftige York-Park. Eingerahmt wird er von Reihenhäusern, die teilweise bereits saniert wurden. Aktuell wird dieser Bereich als zentrale Flüchtlingsunterkunft der Bezirksregierung Münster genutzt, wobei im Frühjahr 2022 Kritik über die bauliche Situation der Unterkünfte laut wurde. Perspektivisch soll diese Nutzung aufgegeben werden, die Menschen sollen dann am Pulverschuppen (nahe Warendorfer Straße / Kanal) untergebracht werden.

Auf der größten Einzelfläche (9,1 Hektar) sollen künftig 465 Wohneinheiten mitsamt eines Parkgeländes entstehen. Studentenapartments, Etagen- und Maisonettewohnungen bis hin zu Stadthäusern sind dort in den bestehenden Gebäuden geplant und werden künftig durch Neubauten ergänzt.

Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf, hier die frühere Einfahrt ins Kasernengelände, die heute die Einfahrt in den „Yorkpark“ darstellt.
Konversion der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf. Die dort bestehenden Reihenhäuser werden den Rand des künftigen York-Parks bilden.

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