Münsterland-S-Bahn wird in Münster ein bisschen konkreter

Auf der alten Bahntrasse der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) rührt sich eigentlich seit Jahrzehnten nichts mehr. Die alten Gleise von Münsters Hauptbahnhof in Richtung Albersloher Weg, Gremmendorf und Wolbeck sind in einem teilweise schauerlichen Zustand, die einstigen Bahnhöfe und Haltepunkte fast völlig verschwunden. Das soll in den kommenden Jahren ganz anders aussehen.

Seit vielen Jahren wird über eine Reaktivierung der alten Bahnstrecke diskutiert. Sie soll irgendwann einmal Teil einer Münsterland-S-Bahn sein, also dem Versuch, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Während das große ganze Projekt eher eine Generationenfrage ist, werden kleinere Einzelprojekte und Teilbereiche schneller realisierbar sein.

In Münster gehört die Reaktivierung des Teilstücks zwischen Münster Hauptbahnhof und Wolbeck dazu. Der Plan: Ab 2025 sollen Züge auf der Strecke als S-Bahnlinie 8 rollen und dann einen Verkehr im 20-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof ermöglichen. Dazu müssen fünf neue Haltepunkte gebaut werden:

  • Haltepunkt Halle Münsterland: Gebaut werden soll er hinter dem Parkhaus am Cineplex auf einer heutigen Brachfläche, die halbwegs illegal von Autofahrern als kostenloser Parkplatz genutzt wird.
  • Bahnhof Loddenheide: Am Albersloher Weg, gegenüber der Einmündung zum Martin-Luther-Weg und parallel zum Coler-Werk, soll ein Bahnhof entstehen.
  • Haltepunkt Gremmendorf: Am Gremmendorfer Weg entsteht ein neuer Haltepunkt mit P&R-Anlagen (auch für Fahrräder).
  • Haltepunkt Angelmodde: An der Kreuzung Alt Angelmodde und Haus Angelmodde ist er geplant.
  • Bahnhof Wolbeck: Zwei Außenbahnsteige sind an der Kreuzung Hiltruper Straße geplant. Auch sie erhalten P&R und B&R-Angebote.

Verschiedene Probleme deuten sich bereits an: Erstens muss die Bezirksregierung noch ihre Genehmigung erteilen, den Planfeststellungsbeschluss. Bei der Bezirksregierung waren aber bis Oktober 2020 über 280 Einwendungen gegen das Projekt eingegangen – von Befürchtungen über Lärm bis zu Wertminderung von Immobilien. Ein notwendiger Erörterungstermin hat offenbar (corona-bedingt) bis heute nicht stattgefunden und aktuelle Mitteilungen hat die Bezirksregierung seit 2020 nicht mehr zum Thema WLE veröffentlicht. Laut Zeitplan soll die Genehmigung aber 2023 vorliegen, wie es die „Westfälischen Nachrichten“ schreiben.

Ein weiteres Problem: Die Bahngleise, seit Jahrzehnten fast ungenutzt, sind teilweise völlig marode (siehe Foto unten) und müssen vermutlich weitgehend neu verlegt werden. Die Eisenbahnbrücke über den Kanal (sie verläuft hinter dem Hawerkamp) muss im Zuge des Kanalausbaus neu gebaut werden – wobei zumindest vorerst der Verkehr über die alte Brücke laufen könnte, während eine neue Brücke direkt daneben entsteht. Das wäre auch gut, denn das Kanal-Projekt selbst ist hoffnungslos verspätet und der projektierte Zeitplan für die WLE-Eisenbahnbrücke sieht mittlerweile das Jahr 2027 vor.

Reaktivierung der alten WLE-Strecke – hier direkt am Cineplex, wo der erste Haltepunkt entstehen soll. Die Gleise sind nicht mehr ganz … top in Schuss…

Drittes Problem: Zwischen 2023 und 2025 müssten fünf neue Haltepunkte und Bahnhöfe parallel entstehen – das ist knapp kalkuliert, aber immerhin machbar. In Mecklenbeck brauchte es für den Bau des Haltepunktes inklusive aller Vorarbeiten rund anderthalb Jahre, wovon der Bahnsteig selbst nur rund drei Monate in Anspruch nahm.

Vorteil dabei: Die Bahntrasse wird ja derzeit nicht genutzt, alle Arbeiten könnten also ohne notwendige Rücksicht auf laufenden Verkehr durchgeführt werden.

Und noch ein Thema muss angegangen werden: Im Hauptbahnhof Münster selbst existiert im Grunde kein Bahnsteig mehr für die neue Strecke – und innerhalb des Bahnhofsbereichs müssten zudem Ausweich-Gleise für über Nacht abgestellte Züge gefunden werden. Immerhin wurde beim Ausbau des Bahnhofs darauf geachtet, Vorbereitungen für das künftige neue WLE-Gleis zu treffen. Am Ausgang des Haupttunnels und am Nordtunnel sind jeweils bereits Treppenanlagen entstanden, die derzeit aber nirgendwohin führen. Hier liegt das Nadelöhr im gesamten Projekt, denn ohne passenden Zielbahnhof (also Gleise und Bahnsteig) läuft die S-Bahn nicht.

Die S-Bahn Münsterland
Bis 2035 sollen insgesamt 9 S-Bahnlinien entstehen, die Münster mit den Umlandregionen verbinden und im Norden bis Osnabrück, im Süden bis Dortmund reichen, im Osten und Westen jeweils bis Enschede/Coesfeld und Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld. Das Projekt wurde 2019 vorgestellt. In Münster sind verschiedene neue Haltepunkte entlang der neuen Linien geplant. Neben der WLE-Strecke sind das u.a. der geplante Haltepunkt Geist/Preußenstadion, die Warendorfer Straße im Bereich Schiffahrter Damm, Kinderhaus und Handorf. (Mehr auf Wikipedia)

Die neuen Haltepunkte

Am Mittwoch (1. Juni) ist das Thema S-Bahn wieder Gegenstand des Ausschusses für Verkehr und Mobilität. Darin wird der aktuelle Sachstand der WLE-Trasse dargestellt. Und sichtbar werden in der Vorlage auch die geplanten Haltepunkte entlang der Strecke.

Die folgenden Entwürfe (alle Stadt Münster) zeigen, wie die Haltepunkte aussehen können.

Die S-Bahnlinie 8, Haltepunkt Halle Münsterland.

So sieht es heute hinter dem Cineplex aus:

Oben verlaufen die bestehenden (und aktiven Gleise), vor der Mauer die alte WLE-Trasse.

Der Haltepunkt Loddenheide entsteht gegenüber des Abzweigs Martin-Luther-Weg und direkt am Werk von Coler. Der Haltepunkt ist als Mittelbahnsteig ausgelegt, er liegt also zwischen zwei Gleisen und kann zu beiden Seiten hin verlassen werden. Um den Haltepunkt ans Gewerbegebiet anzubinden, werden an dieser Stelle zwei Fußgänger-Überwege installiert. Heute existiert dort lediglich eine normale Ampelanlage für den motorisierten Verkehr. Und ebenfalls wird an dieser Stelle ein Gehweg errichtet.

Die S-Bahnlinie 8, Haltepunkt Loddenheide.

So sieht es heute am Albersloher Weg heute aus:

Die S-Bahnlinie 8, Haltepunkt Loddenheide: Heute noch dicht bewachsen.

In Gremmendorf wird der Haltepunkt an der Kreuzung mit dem Gremmendorfer Weg errichtet. Die Vorlage beschreibt die Planung: Am Bahnhaltepunkt sind sowohl P&R- als auch B&R-Anlagen geplant. Die Abstellmöglichkeiten sind auf Grund der Lage des Haltepunktes verteilt angeordnet. Auf der nördlichen Seite werden Anlehnbügel für die Fahrräder positioniert. Auf der Südseite der Bahnanlage sind zwei Leezenboxen zu Lasten der Grünfläche vorgesehen. Die Fläche wird befestigt und zunächst nur mit einer Leezenbox ausgestattet. Die zweite Leezenbox kann bei Bedarf aufgestellt werden. Hierfür entfallen fünf Bäume. Nördlich der Straße Gremmendorfer Weg sind auf dem vorhandenen Parkplatz eine weitere Leezenbox und Stellplätze für das P&R und carsharing geplant. Zwei Bäume müssen gefällt werden.

Die S-Bahnlinie 8, Haltepunkt Gremmendorf.

Der Haltepunkt Angelmodde entsteht im Bereich Alt Angelmodde/Haus Angelmodde und ist zweigeteilt. Der westliche Bahnsteig entsteht direkt an der Straße Haus Angelmodde (gegenüber vom Spielplatz), der östliche Bahnsteig entsteht etwas weiter an der Angelstraße und wird an den Twenhövenweg angebunden.

Die S-Bahnlinie 8, Haltepunkt Angelmodde.

Bahnhof Wolbeck:

Hier entstehen zwei Außenbahnsteige jeweils im Norden und Süden der Bahngleise. Im Süden sind in der Nähe des Zugangs zum Bahnsteig Anlehnbügel untergebracht.
Auf der Nordseite wird der Bahnhof sowohl mit P&R als auch mit B&R ausgestattet. Die Bus-Schiene- Verknüpfung findet entlang der Hiltruper Straße statt. Ähnlich wie in Gremmendorf werden die Bushaltestellen jeweils vor dem Bahnübergang angeordnet und barrierefrei ausgebaut.
Der nördliche Bahnsteig wird als Kombibahnsteig hergestellt und gewährleistet somit die direkte Anbindung an eine Buslinie. Der Bus aus der nördlichen Hiltruper Straße kommend, kann seine Fahrgäste am Bahnsteig aufnehmen und den Bahnhof in Richtung Am Steintor verlassen. Die geplante 4 Meter breite Durchfahrt ist nur für den Bus- und Radverkehr freigegeben. Für die PKW ist eine Wendemöglichkeit eingeplant. Für die Durchfahrt in Richtung Am Steintor muss die vorhandene Wallanlage zurückgebaut oder abgefangen werden. Es entfallen fünf Bäume.

Die S-Bahnlinie 8, Haltepunkt Wolbeck.

Der Zeitplan

Im Juni 2022 soll das Projekt die politischen Gremien passieren. Im Anschluss und bis Anfang 2023 folgen die Offenlegung der Pläne sowie die Bearbeitung von möglichen Einwendungen, Bedenken oder Anregungen. Im 2. Quartal 2023 soll dann der Rat den Baubeschluss fassen. Für den Bau sind dann (siehe oben) etwa zwei Jahre geplant, Ende 2025 ist die Fertigstellung geplant. Der Zeitplan ist als Ideallinie zu verstehen. Verzögerungen sind nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.

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